Sonderausstellung 100 Jahre ARSALL vom 7.4. - 4.11.2018 - Laudatio

11.04.2018 DruckversionPDF

LAUDATIO zur Eröffnung der Sonderausstellung 100 Jahre ARSALL vom 07.04.2018 bis zum 04.11. 2018 in Weißwasser 

Nachdem ich vor rund 45 Jahren erstmals Weißwasseraner Boden betrat, einhundert Jahre nachdem hier die erste industrielle Glashütte ihre Arbeit aufgenommen hatte, wurde mir schnell bewusst, warum dieser Ort "Stadt des Glases" genannt wird.

Meine vergleichsweise spärlichen praktischen Erfahrungen, die ich als Nachtschichthilfsarbeiter in der damaligen OLG erwarb, wo ich das Entgelt für meine Berufsausbildung mit Abitur aufbesserte, weckten das Interesse an der Vielfalt von Glasfertigungs- und Gestaltungsmethoden, zu der die Arsall-Herstellung gehört.

Der Bitte nachzukommen, als Nichtfachmann die Lobrede für die heutige Ausstellungseröffnung zu halten, ist daher verbunden mit dem großen Respekt gegenüber deren mehr als einjährigen Vorbereitungszeit für alle beteiligten Mitglieder des Fördervereins Glasmuseum Weißwasser e.V. und insbesondere der "guten Seele des Hauses", Frau Elvira Rauch.

Ich werte es als gutes Omen, dass ihr mehr als zehnjähriges erfolgreiches Schaffen als Museumsleiterin mit dem 25jährigem Gründungsjubiläum des Glasmuseumfördervereins, dem 115. Jahrestag der Abhaltung des Weltkongresses der Glasindustrie in Weißwasser und vor allem dem 100. Jahrestag der erstmaligen Herstellung in unserer Stadt sowie der Warenschutzeintragung des Arsall-Glases einhergeht.

Details zur Herstellungsmethode können und sollten bevorzugt auf der Internetseite des Glasmuseumträgervereins nachgelesen werden.

In den dort gespeicherten Texten erläutern als Fachleute die Herren Wolfgang W. Hennig und Manfred Schäfer in verständlicher Wortwahl, anstatt in einer heute leider oft mit Fremdwörtern gespickten pseudointellektuellen Manier, die Einmaligkeit dieser künstlerisch dem Jugendstil zuzuordnenden Ausdrucksart.

Vereinfacht und nüchtern formuliert, entsteht Arsall-Glas, indem mehrere Farbschichten übereinander zu einem Grundglas verschmolzen werden, auf dem die Abdeckung der gewünschten Muster erfolgt, und der Rest weggeätzt wird.

Was so einfach klingt, verlangt jedoch enorm viel Wissen, handwerkliches Geschick und umfangreiche Erfahrungen, damit solche Glaskostbarkeiten geschaffen werden konnten, wie sie in der Sonderausstellung zu bewundern sind.

Die von Glasmachern der Familien Rigot und Vette 1913 aus Elsaß-Lothringen nach Weißwasser mitgebrachte und in einer Werkstatt der Vereinigten Lausitzer Glaswerke AG von 1918 bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 unter dem geschützten Warenzeichen "Arsall" angewandte Fertigungstechnik, erlebte hier ihre quantitative und qualitative Blütezeit.

Dank vor allem der großzügig vom Stadtmuseum Cottbus nebst von Privatsammlern bereitgestellten Leihgaben können wir gleich nach der Sonderschaueröffnung, zusätzlich zu den in der Dauerausstellung gezeigten Arsall-Glaskostbarkeiten, über einhundertdreißig Designerstücke betrachten und bewundern.

Dies ist einzigartig zumindest in den Museumslandschaften Deutschlands und Europas.

Weißwasser wird damit seiner Rolle als einem Ort mit einmaliger Glastradition, seit 1996 konzentriert in diesem geschichtsträchtigen Gebäude, wieder einmal gerecht.

Möglicherweise beginnt nach 2003 und 2011, als hier Sonderausstellungen der früheren Warenzeichen "Arsall" und dem daraus weiterentwickelten "gotthardglas" stattfanden, sogar eine neue Tradition.

Da der Inhaber der letztgenannten Marke heute bei der Präsentation auch von neuzeitigen Arsall- und gotthardgläsern anwesend sein kann, eröffnen sich interessante Perspektiven für die Zukunft.

Als Ergebnis eines Gedankenaustausches in illustrer Runde in einem Berliner Hotel folgte der Glasingenieur Herr Gotthard Petrick im Jahr 2006 meinem Vorschlag, für die durch ihn in einer weiterentwickelten Technologie produzierten Glasartikel den Markennamen "gotthardglas" zu verwenden.

Sein Schüler in der Glasfertigung Herr Michael Penn ließ am 29. März 2016 die Marke "Arsall" erneut beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen, womit deren neues Kapitel begann.

Dadurch wurde eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen, die weiter in die Zukunft zu reichen vermag, wenn wir es gemeinsam vermögen, unseren Mitmenschen und Nachkommen erfolgreich zu vermitteln, dass Vasen, Schalen, Kelche und Becher mit individuellen Motiven für spezielle Anlässe begehrte Präsente oder nur, bevorzugt in unserem Museum, schön anzuschauen sind.

Wilhelm Wagenfelds Exponate sind beispielsweise in meiner Geburtsregion Dessau-Wörlitz, im Grassi-Museum in Leipzig oder auch hier in Weißwaser zu bewundern.

Hingegen war die Arsall-Glasproduktion Anfang des vorigen Jahrhunderts in Weißwasser in ihrer Vielfalt einzigartig.

Ebenso einzigartig ist die aktuelle Sonderausstellung geradezu ein Arsall-Eldorado von Motiven mitteleuropäischer Flora sowie Fluss- nebst Waldlandschaften.

Und nebenbei eine Art Geburtstagsgeschenk zum 15jährigem Gründungsjubiläum unseres Stadtvereins.

Jetzt freue ich mich mit Ihnen auf die Ausstellungseröffnung durch den stellvertretenden Glasmuseumfördervereinsvorsitzenden Herrn Jochen Exner und danke für Ihre Aufmerksamkeit.                                           

Frank Schwarzkopf, Vorsitzender Stadtverein Weißwasser e.V.             06. April 2018

Fotos: Glasmuseum

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